São Paulo/Wolfsburg/Essen (pte/27.11.2009/13:55) - Der Automobilriese Volkswagen http://www.volkswagen.de will bis 2014 rund 2,3 Mrd. Euro in den brasilianischen Produktionsstandort investieren. Zukünftig strebt das Management an, dort im Jahr eine Mio. Fahrzeuge zu verkaufen. Die von Volkswagen-Brasilien-Chef Thomas Schmall in Aussicht gestellten Investitionen sollen einen Beitrag zum Erfolg der Strategie des Konzerns bis 2018 leisten. Die Mittel werden sowohl von der VW-Konzernzentrale als auch von der brasilianischen Tochtergesellschaft Volkswagen Brasil zur Verfügung gestellt.
Kein risikoloses Terrain
"An Brasilien haben sich schon viele die Finger verbrannt. Zwar produziert Volkswagen dort schon sehr viele Fahrzeuge. Andererseits ist das Land ein Markt, der Jojo spielt und bereits in der Vergangenheit gezeigt hat, dass er für keine nachhaltige Entwicklung steht", meint Auto-Fachmann Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen http://www.uni-due.de gegenüber pressetext. Die geplanten Investitionen seien mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko verbunden. VW-Chef Martin Winterkorn hofft unterdessen auf einen Nachfrageboom.
Bis 2014 Absatz von vier Mio. Autos
Die laut Winterkorn für die kommenden Jahre erwarteten "deutlichen Nachfragesteigerungen" würden Anlass dazu geben, bereits heute schon Produktionskapazitäten anzupassen. Das Land ist für das Unternehmen nach China und Deutschland inzwischen zum drittgrößten Automarkt avanciert. In seinem aktuellen Forecast schätzt der Konzern, dass der brasilianische Markt bis 2014 einen Absatz von vier Mio. Einheiten erreicht. Derzeit beläuft sich der Verkauf eigenen Angaben nach auf rund drei Mio. Fahrzeuge jährlich. Jetzt will man Fiat vor Ort angreifen.
Erweiterung der Produktionskapazitäten im Fokus
Mit dem Geld will man vorrangig die Entwicklung neuer Fahrzeuge voranbringen und in den Ausbau der Produktionskapazitäten in Anchietá, Taubaté und in das Motorenwerk in São Carlos stecken. Derzeit zähle VW mit einer Produktionskapazität von 3.000 Autos pro Tag zum größten Fahrzeugbauer des Landes. Mit rund 600 Händlern verfüge man zusätzlich über das größte Vertriebsnetz in der brasilianischen Autoindustrie. Eigenen Angaben nach sind die Auslieferungen dort seit 2005 bis 2008 um 70 Prozent auf rund 585.000 Fahrzeuge gestiegen.
Geht es nach den Zielen Winterkorns und Schmalls will man bis zum Ende des Jahres am Standort Brasilien 800.000 Fahrzeuge produziert haben. Von Januar bis Oktober wurden insgesamt 529.000 VW-Pkw abgesetzt. Das sind knapp 16 Prozent mehr als noch vor Jahresfrist. VWs Marktanteil liegt inzwischen bei 25,7 Prozent. Obwohl Volkswagen niedrige Zinssätze, Steuervergünstigungen und die Einführung des neuen Gol-Modells in Brasilien geholfen hat, bleiben Experten skeptisch. "Könnte ich zwischen Brasilien und Vietnam wählen, dann würde ich in Letzteres investieren", so Dudenhöffer im pressetext-Gespräch.