Geplatzter Opel-Verkauf lässt Gemüter hochkochen - OneTarif

Geplatzter Opel-Verkauf lässt Gemüter hochkochen

Detroit/München/Essen (pte/04.11.2009/11:10) - An der Bedrohungslage für Opel hat sich durch den in der Nacht auf heute, Mittwoch, abgeblasenen Verkauf an Magna nicht viel geändert. Ganz im Gegenteil - für die Belegschaft ist eine mit allen finanziellen Ressourcen ausgestattete, mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche GM allemal besser als ein Wackelkonsortium, dessen wesentlicher Partner ein marodes russisches Automobilunternehmen ist. Zu diesem Fazit gelangt Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation http://www.iwk-muenchen.de , gegenüber pressetext. Laut dem Insider wird der befürchtete Stellen-Aderlass ausbleiben.

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Träume einer Opel-Übernahme durch Magna geplatzt (Foto: opel.de)

Drei Mrd. Euro zur Sanierung nötig

Die Ankündigung der Detroiter Muttergesellschaft, den geplanten Verkauf an den kanadisch-österreichischen Automobilzulieferer Magna in letzter Minute nun doch abzublasen, stößt bei Opel und der Bundesregierung hingegen auf Unverständnis und Bedauern. Das Ziel von GM besteht darin, Opel in Eigenregie zu sanieren. Die Opelaner fürchten um den weiteren Erhalt der Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen. Wie GM-Chef Fritz Henderson sagte, will man den Restrukturierungsplan deutschen und anderen europäischen Regierungen bald vorstellen. Der Plan kostet rund drei Mrd. Euro. Für Becker ein "Betrag aus der Portokasse".

Bundesregierung fordert Brückenfinanzierung zurück

Nachdem die Übernahme Opels durch Magna so gut wie sicher schien (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090911016/), ist die Zukunft nun wieder offen. Die deutsche Bundesregierung, die sich sechs Monate lang intensiv um eine Lösung bemüht hatte, reagiert enttäuscht. Über Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ließ diese mitteilen, man erwarte von Detroit, dass die Brückenfinanzierung von Bund und Länder über 1,5 Mrd. Euro fristgerecht zurückbezahlt werde. Zudem hofft Berlin, dass man die Leistungsfähigkeit Opels stärkt und sanierungsbezogene Anpassungen auf ein "unverzichtbares Mindestmaß begrenzt".

"Herr Becker irrt sich in der Annahme, dass GM mit ausreichenden finanziellen Ressourcen in der Zukunft ausgestattet sein wird. Die Amerikaner haben den europäischen Markt noch immer nicht verstanden. Ich gehe nicht davon aus, dass Detroit die von der Bundesregierung versprochenen Kreditbürgschaften über 4,5 Mrd. Euro erhalten wird", sagt Automobilinsider Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen http://www.uni-due.de auf pressetext-Anfrage. Ähnlich sieht dies Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Denn mit Magna gebe es für die Politik eine Alternative, sodass man sich nicht erpressen lassen wird.

Entrüstung bei Opel-Belegschaft

Das Aus für eine Magna-Lösung bedeutet auch, dass das Angebot der europäischen Opelaner, auf jährlich rund 265 Mio. Euro Lohn zu verzichten, nun obsolet ist. "GM geht im Alleingang große finanzielle Risiken ein. Opel wird wieder und immer wieder kaputtrestrukturiert werden - dies führt zur kontinuierlichen Demotivierung der Belegschaft", erläutert Dudenhöffer. "Die Alternative zur Absage des Deals wäre Magna als Zulieferer gewesen, dem in Scharen die Kunden davon laufen sowie eine skurrile Sberbank, bei der Finanzierungen mehr als fraglich wären", entgegnet Becker abschließend.

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