München (pte/18.01.2010/10:50) - Die Branche der deutschen Automobilzulieferer befindet sich am Scheideweg. Zwar zeigen sich erste Anzeichen einer Erholung, doch birgt diese neue Herausforderungen, lauten die Ergebnisse der Studie "Money vs. Technology 2009" von Deloitte und IHS Global. "Die Krise hat die Finanzdecke kleiner Betriebe stark angegriffen - sie haben jetzt kaum mehr Mittel, auch weil Banken sich bei der Kreditvergabe nach wie vor zurückhalten. Sie können somit nicht vom einsetzenden Aufschwung profitieren, sondern werden im Gegenteil davon sogar bedroht", prognostiziert Siegfried Frick, Partner Corporate Finance bei Deloitte.
Frick geht davon aus, dass trotz voller Auftragsbücher in den kommenden Monaten viele kleiner Betriebe Zahlungsunfähigkeit anmelden werden. "Diese bedrohten Unternehmen müssen umgehend restrukturieren, ihren Eigenkapitalanteil erhöhen und ihre Liquidität sichern."
Überkapazitäten abbauen
Das Hauptproblem: In den vergangenen Jahren haben deutsche Zulieferer Überkapazitäten aufgebaut. So besteht nach Ansicht von rund der Hälfte der Befragten ein Überangebot von 30 Prozent im Chassisbau und im Bereich der Fahrzeugelektronik. Gleiches gilt für den Antriebsbereich. Im Bereich Innenausstattung wird die Überkapazität sogar auf 40 Prozent geschätzt.
57 Prozent der Betriebe planen laut der Studie, Kapazitäten abzubauen. Außerdem rechnen 54 Prozent der Befragten mit einer Übernahmewelle ab 2011. Die wird laut Studie vor allem Hersteller von Antriebsteilen und -systemen betreffen sowie Chassisbauer und Innenausstatter. Die meisten Übernahmen werden horizontaler Natur sein, d.h. Aufkäufe durch unmittelbare Wettbewerber.
Banken als Spielverderber
Als größtes Hindernis erweisen sich dabei wieder einmal die Banken. Diese vergeben kaum noch Kredite, sodass vielen Unternehmen das Geld für Sanierung oder Übernahmen fehlt. 87 Prozent gaben an, nur noch unter erschwerten Bedingungen an Bankkredite zu kommen. An erster Stelle alternativer Investoren sehen die Zulieferer strategische Investoren, gefolgt von Private-Equity-Gesellschaften und den eigenen Anteilseignern. Auch bei der Geldbeschaffung für Betriebsmittel gehen die Zulieferer neue Wege, denn die traditionellen Kreditversicherer haben ebenfalls stark unter der Krise gelitten. Die Unternehmen setzen daher zunehmend auf Staatsbürgschaften, doch 75 Prozent der Befragten bezeichneten deren Vergabe als unzureichend.
Die Pleitewelle, die in Deutschland bis November des vergangenen Jahres 83 Zulieferer getroffen hat, wird sich den Experten zufolge daher auch 2010 fortsetzen. "Wir sehen im Zuge des Branchenumbruchs noch einige Insolvenzen. Das ist zwar hart für die Betroffenen, aus Marktsicht aber unausweichlich. Nur so wird es gelingen, Überkapazitäten abzubauen und wieder auf einen Wachstumskurs zurückzufinden", erläutert Frick.